Evangelische Stephanus-Kirchengemeinde Berlin-Zehlendorf
Evangelische Stephanus-Kirchengemeinde Berlin-Zehlendorf

Wir reden Deutsch und kochen multi-kulti !!

Unser Projekt „Wir reden deutsch“ mit Geflüchteten läuft seit gut eineinhalb Jahren. Wir haben inzwischen einen guten Draht zu unseren Schülern, aber eine Begegnung über den Sprachunterricht hinaus findet eher selten statt. Also planten wir einen Kochnachmittag, wie er in der Stadtmission, mit der wir zusammenarbeiten, häufiger stattfindet. Unsere Geflüchteten wollten mit uns kochen, nach ihren Rezepten mit unserer Hilfe. Treffpunkt im Stephanushaus 14:00 Uhr, dann Absprache der Rezepte und gemeinsamer Einkauf; Kochbeginn 15:30 Uhr, Essen 17:30 Uhr - so war der Plan. Um 14:00 Uhr sind erst wenige unserer Jungs da; ausgerechnet der Iraner und gelernte Koch Mir Ali fehlt. Also die Frage in die Runde: Wer von euch könnte ein Rezept kochen? Drei erklären sich bereit: Saikou aus Gambia, Mohammad und Achmed aus Syrien. Wisst ihr, was ihr braucht? Ja!

Also geht’s los zum Einkauf bei EDEKA. Wir bilden mit ca. 10 Personen einen kleinen Auflauf im Laden, immer wieder treffen sich alle und beratschlagen beispielsweise, ob etwas „halal“ (rein) ist oder nicht. Saikou braucht etwas, das sich anhört wie garlic-butter (Knoblauchbutter). Anja findet sie. Nein, das war es dann doch nicht. Endlich haben wir es richtig verstanden; gemeint war peanutbutter, Erdnussbutter. Mohammad will irgendetwas mit Auberginen kochen; also kaufen wir einen Haufen davon, zusammen mit Öl zum Frittieren. Dass er auch Tahin (Sesammus), Joghurt und Fladenbrot braucht, fällt ihm leider erst ein, als wir schon wieder in der Küche stehen.

 

Nach dem Einkauf pilgern wir zurück zum Gemeindehaus. Dort angekommen, wird sofort mit dem Kochen begonnen: Die Köche (- Mir Ali ist inzwischen auch angekommen; mittels whatsapp hatten wir schon im Laden erfahren, was er kochen will und welche Lebensmittel er dafür braucht), und 3 – 4 Helfer, alle „nicht-deutscher Herkunft“. Wir Deutschen sind nicht willkommen in der Küche: Wir mögen vielleicht gut deutsch reden, aber kochen, das wollen sie besser alleine. Wahrscheinlich zweifeln sie daran, dass wir es „richtig“ machen. Da muss ich erstmal schlucken und auch über manches hinwegsehen, das ich selber ganz anders machen würde. (Auch die gute deutsche Mülltrennung müssen wir für heute mal vergessen.)

 

Als sich herausstellt, dass noch das eine oder andere fehlt, laufen Anja und ich los, um es aus unserer eigenen Küche zu ergänzen. Wenigstens das können wir tun. Erika, die im Haus gegenüber wohnt, hat das Gewusel bei uns bemerkt und kommt neugierig ins Gemeindehaus „um mal zu gucken“! Und: Allah, sei Dank! Sie hat Tahin im Hause. Aus allen diesen Zutaten zaubert Mohammad dann ein Auberginenmus, das ich vorweg schon mal koste: es ist superlecker. Mohammad ist trotzdem traurig: Das Fladenbrot fehlt; und das richtige, gute Fladenbrot gibt es sowieso nur in Neukölln – meint er.

 

Durchs Haus ziehen mittlerweile köstliche Düfte: Ich bekomme Hunger, aber es zeichnet sich schon ab, dass wir den Zeitplan nicht einhalten werden. Um etwas mehr Platz zum Kochen zu schaffen, tragen wir aus unseren persönlichen Beständen elektische Kochplatten heran. Das überfordert natürlich das Stromnetz der Küche und plötzlich geht das Licht aus – zum Glück ist es noch taghell! Wir suchen verzweifelt im ganzen Haus nach dem Sicherungskasten und finden ihn nicht! Ungeplant kommt gerade Anjas Mann vorbei und entdeckt den gut versteckten Kasten. Das Licht geht wieder an, und die Herdplatten brauchen wir nun sowieso nicht mehr, denn langsam wird alles fertig. Aus dem Backofen kommt ein leckerer Nachtisch: eine Süßspeise aus Blätterteig. Zum Glück hat Achmed genug davon produziert, so dass es nicht schadet, dass alle vorab schon 'mal davon kosten.

 

Fleißige Hände haben mittlerweile die Tische liebevoll gedeckt, und die Gäste (Lernhelfer und andere Gemeindeglieder) sind eingetroffen. Rasch wird alles auf die Tische gestellt: Aus großen Schüsseln und Töpfen dampft es: Reis nach afghanischer Art mit Dill und Gewürzen, frittierter Fisch, Huhn nach gambischer Art in Erdnusssoße und – ganz anders - nach afghanischer Art. Dann natürlich das besagte Auberginenmus und hinterher die süße Leckerei zum Nachtisch. Ich staune: Kaum zu glauben, dass nach diesem Chaos zu Beginn ein so leckeres Mahl entstanden ist, ein so reich gedeckter Tisch: 25 Leute werden satt! Die Stimmung ist föhlich, die jungen Männer sichtbar stolz. Danke: Saikou, Mir Ali, Mohammad, Achmed und ihr anderen! Das hat uns richtig gut geschmeckt!

 

Nach dem Essen verschwinden die Jungs schon wieder in der Küche, waschen alles ab, machen sauber, räumen weg. Die Lernhelfer stellen im Clubraum alles wieder an seinen Platz, und in Null-Komma-Nix sieht man den Räumen das Chaos der letzten 5 Stunden nicht mehr an.

 

Fazit:
Ein chaotischer, turbulenter, fröhlicher Nachmittag mit überraschend leckerem Ergebnis. Ich lerne: Es fällt auf beiden Seiten nicht leicht, sich gegenseitig stehen zu lassen. Man muss sich ganz schön zusammenraufen, aber das Ergebnis ist es allemal wert! Erdnuss-Huhn und Auberginenmus habe ich mittlerweile zuhause nachgekocht; es ist in meiner Familie sehr gut angekommen!

 

Fortsetzung folgt! Gisela Klaus

(16.10.2017, az)

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